Bundesminister Dr. Philipp Rösler formuliert in Bad Arolsen seine Eckpunkte für die künftige Gesundheitspolitik
Als humorvoller und brillanter Redner sowie als scharfsinniger Arzt und Politiker präsentierte sich Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler beim Neujahrsempfang der FDP im Christian-Rauch-Museum.
Mit dem Zitat „Haben Sie keine Angst vor der Zukunft, sie beginnt erst morgen“ begrüßte der langjährige FDP-Kreistagsabgeordnete Adolf Graf die rund 200 geladenen Gäste, darunter zahlreiche Kommunalpolitiker und Mediziner, die gekommen waren, um aus erster Hand zu erfahren, wie die Reform aussehen könnte, die die neue schwarz-gelbe Bundesregierung dem Land demnächst verordnen will.
Der Shooting-Star der FDP und Hoffnungsträger der deutschen Ärzteschaft konnte zwar am Sonntagmorgen in Bad Arolsen nicht das Zauberkunststück vollbringen, die über Jahrzehnte verkorkste Gesundheitspolitik zu erneuern. Dafür aber gelang es ihm, mit wohlüberlegten Worten und sympathischem Humor zu skizzieren, wie die Gesundheitspolitik seiner Meinung nach künftig ausgerichtet sein müsste.
Dabei stellte Rösler fest, dass das derzeitige deutsche Gesundheitssystem den Patienten europaweit die beste Versorgung biete. Das Problem sie die Finanzierung der hochwertigen Dienstleistungen von fünf Millionen Ärzten, Krankenschwestern, Altenpflegern, Orthopädiebetreibern und vielen medizinischen Berufsgruppen mehr.
Die sieben großen Reformen, die allein in den vergangenen 20 Jahren von der Politik beschlossen worden seien, hätten allein das Ziel verfolgt, die Lohnnebenkosten stabil zu halten. Die Folge sei aber eine schleichende Rationalisierung der medizinischen Versorgung gewesen.
Was ihm vorschwebe, sei ein Wandel vom System der unfairen Konkurrenz hin zum System des fairen Wettbewerbs. Man müsse weg von der fortscheitenden Kontrollitis hin zu mehr Vertrauen zum Können der Ärzte und in die Einsicht der Bürger. Die FDP setze auf mehr Freiheit auch im Gesundheitssystem, verbunden mit mehr Verantwortung aller Beteiligten.
Weil sich aber niemand aussuchen könne, ob erkrank oder gesund sein wolle, funktioniere im Gesundheitswesen nicht ohne die Solidarität der Gesunden gegenüber den Kranken. Außerdem müsse es einen Ausgleich zwischen Arm und Reich geben.
Das aber könne die gesetzliche Krankenversicherung nicht leisten. Der Ausgleich zwischen Arm und Reich müsse über das Steuersystem erfolgen, so Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler gestern in Bad Arolsen. Über einen Zuschuss aus der Steuerkasse würden auch Privatversicherte zu einem Solidarbeitrag für das Gesundheitssystem verpflichtet.
FDP-Kreisvorsitzender und Landtagsabgeordneter Heinrich Heidel mahnte an, dass sich der vorherrschende Geist in der Gesellschaft wandeln müsse. „Wir müssen wieder mehr Miteinander pflegen und die Meinung des Anderen tolerieren.“
Ortsvereinsvorsitzender Heiko Schimmelpfeng präsentierte sich als beinah ebenso humorvoller Redner wie Minister Rösler und spannte den Bogen zur Bad Arolser Kommunalpolitik, wo er sich ebenfalls mehr Miteinander und weniger politische Scharmützel wünschte.
Bürgermeister Jürgen van der Horst nutzte die Gelegenheit und bat den Minister um seinen Eintrag in das Goldene Buch der Stadt. Den musikalischen Rahmen des Vormittags gestalteten Melena Ohm, Marvin Erfurth und Stefan Hoffmann.
Quelle WLZ 25.01.2010
Druckversion 