Neben den Wahlen der Delegierten des Kreisverbandes Waldeck-Frankenberg zu Bezirks- und Landesparteitagen stand auf der Versammlung der Delegierten der Ortsverbände in Korbach das Thema „Entwicklung des Tourismus“ im Vordergrund.
Zunächst hatte Kreisvorsitzender MdL Heinrich Heidel die Mitglieder begrüßt und einen kurzen Rechenschaftsbericht über die Arbeit des Kreisverbandes und die politische Lage gegeben. Heinrich Heidel verwies dabei mit Stolz auf die drei erfolgreichen Wahlen des Jahres 2009. „Noch nie hatten wir bei Landtags- Europa- und Bundestagswahlen in den letzten Jahrzehnten so gute Ergebnisse in Waldeck-Frankenberg,“ freute sich der Landtagsvizepräsident.
Bei den politischen Themen, die derzeit die politische Diskussion bestimmen, hofft Heinrich Heidel, dass es beim Thema B 252 gelingt, die Bedürfnisse der Ruhe für die Anwohner und der heimischen Wirtschaft in Einklang zu bringen. Auch bei der Diskussion um Schulsozialarbeit hat er große Hoffnungen auf eine zeitnahe Lösung. Beim Thema Reisekosten des Landrates erwartet er im Finanzausschuss des Kreistages Aufklärung, aus der sich etwaige notwendige Konsequenzen ableiten lassen.
Die Landespolitik ist nach Startschwierigkeiten, dank eines detaillierten Koalitionsvertrages, gut ins Laufen gekommen, wird aber von der angespannten Haushaltslage und damit notwendigen Einschnitten geprägt werden. Mit Blick auf Berlin verbindet Kreisvorsitzender Heinrich Heidel die Hoffnung, dass nach anfänglichen Kommunikationsstörungen zwischen den Koalitionspartnern die Sacharbeit immer mehr im Vordergrund stehen wird.
Bei der Wahl der Delegierten des Kreisverbandes wurden folgende Parteimitglieder gewählt: Heinrich Heidel, Dieter Schütz, Otto Wilke, Reinhard C. Schulz, Dennis Majewski, Siegfried Franke, Rainer Humpert, Erhard Pauly, Adolf Graf, Hans-Jürgen Wüst, Elias Knell, Thomas Neutze, Heinz Debus und Ulrike Kepper-Grämer.
Beim Fachthema „Tourismus“ der Delegiertenversammlung waren sich alle drei Referenten, stellvertretender Kreisvorsitzender Dieter Schütz (Willingen), der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion Jürgen Lenders (Fulda) und der Bad Wildunger Bürgermeister Volker Zimmermann, darin einig, dass Tourismus keine Orts- Kreis- oder Landesgrenzen kennt. Gerade die Einrichtung der touristischen Arbeitsgemeinschaften (TAG), die auch Kreis übergreifend regionale Besonderheiten vermarkten, sind ein erster Schritt in die richtige Richtung.
Dieter Schütz sieht eine Trendwende im Tourismus hin zu mehr Aktivität und begrüßt ausdrücklich das Alleinstellungsmerkmal „Brüder-Grimm-Heimat Nordhessen“, welches die gemeinsame Vermarktung voran bringen wird. Gerade Waldeck-Frankenberg profitiert vom Tourismus, der mit 15.000 Arbeitsplätzen für etwa 500 Mill. Euro Umsatz im Kreisgebiet sorgt. Jeder der 14 Mill. Tagestouristen lässt etwa 20 Euro in den 1426 gastronomischen Betrieben in Waldeck-Frankenberg. Noch wird der Großteil der Übernachtungen in Willingen, Bad Wildungen oder auch in Vöhl generiert. Nach Ansicht von Dieter Schütz muss aber auch der Tourismus im Rest des Kreises intensiviert werden, wobei Investitionen notwendig sind, um moderne Standards zu erlangen.
„Grundsätzlich sind 50 Prozent der Gäste im Haupt- oder Kurzurlaub in Waldeck-Frankenberg, wobei der Anteil der Holländer bei fast 25 Prozent liegt. Das Rhein-Main-Gebiet ist aber noch unterrepräsentiert ist. Hier bedarf es unserer Anstrengungen, dies gilt aber auch bei der Ausweitung des Internetangebotes und der Sicherung von Qualität, Service und Innovation,“ so Dieter Schütz.
Auch für Bürgermeister Zimmermann muss Qualität im Vordergrund stehen, da „eine positive Gästeentwicklung nur durch Qualität und nicht über die Preisschiene erreicht werden kann, wobei authentisches Erlebnis als Markenprodukt stehen muss. Bad Wildungen hat im Jahr 2009 bei 1,5 Mill. Übernachtungen etwa 350.000 Übernachtungen von Privatgästen erreicht, die man nicht als touristische Destination, sondern mit „Themen“ gewonnen hat.
Für den Landtagsabgeordneten Jürgen Lenders „schlummern die meisten Prospekte im Keller“, da viele Tourismusvermarkter in eigenen Prospekten eher das Heil sehen, als mit regionaler Zusammenarbeit neue Zielgruppen zu erreichen.
„Tourismus und Gastronomie sind in Deutschland als Arbeitgeber genau so wichtig wie die Automobilindustrie, aber Hessen ist schwer als Reiseland zu verkaufen, da es zu viele stark unterschiedliche Interessen gibt,“ so Jürgen Lenders. Der Aufenthalt in Frankfurt ist für den Gast eher durch Flughafen und Wirtschaftstrukturen fremdbestimmt, während ein Aufenthalt in einer Region wie Waldeck-Frankenberg einer selbst bestimmten Entscheidung entspringt.
Bisher vermarktet sich Hessen touristisch nicht zusammen, sondern stark aufgegliedert und schiebt einen großen Investitionsstau vor sich her. Nach Auffassung der FDP-Landtagsfraktion, so Lenders, müssen unterschiedliche Produkte besser gebündelt werden. So ist es Hauptaufgabe der neuen Führung der HessenAgentur , den alten touristischen Beirat wieder zu etablieren. Damit werden Akteure aus allen Regionen mit eingebunden, um die jeweiligen jährlichen Zielsetzung der Tourismusentwicklung und Werbung zu besprechen. Langfristig müssen alle touristischen Akteure in Hessen sich auch finanziell in die Arbeit mit einbringen.
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